Ist Ihr Unternehmen bereit für die Folgen des BREXIT?

Am 23. Juni 2016 stimmte die Mehrheit der Briten für den Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit). Das offizielle Austrittschreiben traf dann am 29.März 2017 in Brüssel ein. Nun folgen Vertragsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU, um die rechtlichen Verhältnisse zu klären.

Hat Ihr Unternehmen Geschäftsbeziehungen zu britischen Unternehmen oder Investitionen im Königreich, so werden Sie sich zukünftig mit zahlreichen wirtschaftlichen als auch steuerrechtlichen Fragenstellungen konfrontiert sehen. Je nachdem ob sich Großbritannien für einen harten Brexit entscheidet oder diverse Zwischenstufen aushandelt, sind unterschiedliche Folgen vorprogrammiert. Bleibt Großbritannien Vertragspartei des Abkommens über den EWR (Europäischer Wirtschaftsraum), so halten sich die Änderungen in Grenzen. Anders sieht es aus, sobald sie ganz aus dem europäischen Binnenmarkt ausscheiden. Es heißt nun, die Vertragsverhandlungen abzuwarten und die weiteren Entwicklungen im Auge zu behalten um gegebenenfalls rechtzeitig handeln zu können.

Steuerrechtliche Änderungen sind besonders in folgenden Bereichen zu erwarten:

a) Zinsen und Lizenzgebühren

Werden Zinsen und Lizenzgebühren von einer britischen Gesellschaft, welche mit Ihrem Unternehmen verbunden ist, an Ihr, in Deutschland ansässiges, Unternehmen gezahlt, so kann mit Wegfall der EU-Richtlinie, die Quellensteuer allenfalls noch nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) reduziert werden.

b) Gewinnausschüttungen

Änderungen sind außerdem bei Gewinnausschüttungen an Ihre britische Muttergesellschaft oder von Ihrer britischen Tochtergesellschaft möglich. Trotz einer Mindestbeteiligung von 10 %, greift nach dem Brexit nur noch eine Reduktion der Quellensteuer aufgrund des DBA´s und somit verbleibt es bei einer Quellensteuerbelastung von 5%. Dividenden von einer Tochtergesellschaft aus Großbritannien sind, nach einem Ausscheiden aus der EU, nur noch gewerbesteuerfrei bei Vorliegen einer Mindestbeteiligung von 15% und bei Erfüllung von Aktivitätsanforderungen.

Ausschüttungen, die Sie als Anteilseigner einer britischen Kapitalgesellschaft aus deren steuerlichen Einlagekonto beziehen, fallen nach dem Austritt des Vereinigten Königreiches nicht mehr unter die Steuerbefreiung.

c) Besteuerung von sog. „stillen Reserven“

Scheidet Großbritannien aus der EU aus und gehört es auch nicht mehr dem EWR an, müssen Sie bei der Verlagerung des Sitzes oder der Geschäftsleitung Ihrer inländischen Kapitalgesellschaft in das Königreich eine Liquidationsbesteuerung durchzuführen und alle stillen Reserven müssen aufgedeckt werden. Zur Aufdeckung der stillen Reserven kommt es ebenfalls bei einer Umstrukturierung, wie bspw. einer Verschmelzung oder Spaltung.

Halten Sie Anteile an einer britischen Kapitalgesellschaft im Privatvermögen und handelt es sich um eine Beteiligung nach § 17 EStG, so müssen Sie bei Wegzug ins Ausland eine in den Anteilen versteckte Wertsteigerung grundsätzlich sofort mit der Wegzugsteuer besteuern.

Eine weitere Folge des Brexit ist der Wegfall des Ausgleichspostens zur Stundung stiller Reserven, der bei der Übertragung von Wirtschaftsgütern in eine britische Betriebsstätte gebildet werden kann.

d) Übertragung von Vermögen

Übertragen Sie Betriebsvermögen und nehmen Sie die erbschaftsteuerliche Begünstigungen in Anspruch, so ist die Lohnsummenregelung zu beachten. Haben Sie bei der Ermittlung der Ausgangslohnsumme Lohnsummen von einer britischen Tochtergesellschaft mit einbezogen, so kann die Verschonung entfallen.

e) Umsatzsteuer

Umfassenden Änderungen kommen im Bereich der Umsatzsteuer auf Sie zu, dann das gemeinsame Mehrwertsteuersystem der EU nicht mehr in Großbritannien anzuwenden ist.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummern, die an britische Unternehmer vergeben wurden, sind dann nicht mehr gültig und Sie benötigen von den britischen Unternehmern einen anderen Nachweis der Unternehmereigenschaft.

Zu beachten ist dann auch, dass es sich bei Lieferungen nicht mehr um innergemeinschaftliche Lieferungen, sondern um Ausfuhrlieferungen handelt. Diese sind nur noch nach entsprechenden Nachweispflichten steuerfrei. Außerdem gibt es keine innergemeinschaftlichen Erwerbe mehr, weshalb Einfuhrumsatzsteuer fällig wird.

Empfangen Sie sonstige Leistungen von britischen Unternehmern, so bleibt es im Normalfall beim Reverse-Charge-Verfahren (Umkehr der Steuerschuldnerschaft).

Erbringen Sie sonstige Leistungen an Unternehmer in GB, bleibt es beim Empfängerortsprinzip. Ob es hier auch beim Reverse-Charge-Verfahren bleibt hängt von der Ausgestaltung der neuen britischen Vorschriften ab. Beim Erbringen von sonstigen Leistungen an Nichtunternehmer in GB können Sie die Umsätze jedenfalls nicht mehr in das Moss-Verfahren (Mini-one-stop-shop-Verfahren) miteinbeziehen.

Der freie Warenverkehr mit dem Vereinigten Königreich wird wohl dann bald ein Ende haben. Eine Auswirkung auf Exporte nach Großbritannien bzw. Importe von dort ins Inland ist für Sie der Zoll. Es ist wohl denkbar, dass durch den Warenhandel mit England, Schottland und Wales Zölle entstehen werden. Außerdem müssen der Export und Import von Waren beim Zoll angemeldet werden. Folge davon ist, dass Einfuhren und Ausfuhren erschwert werden und Sie in Ihre betriebliche Kalkulation künftig Zölle miteinkalkuliert sollten.

Bitte beachten Sie die Zollklauseln und denken Sie jetzt schon daran in Verträge mit britischen Unternehmen Zollklauseln aufzunehmen. Hier ist es für Sie wichtig zu klären, wer die Anmeldung beim Zoll übernimmt und wer Schuldner der Zölle ist

Folgende Änderungen sind im Gesellschaftsrecht zu erwarten:

Führen Sie Ihr Unternehmen in der Rechtsform der Ltd. (Limited) mit Verwaltungssitz in Deutschland, so hat der Brexit sowohl steuerrechtliche als auch gravierende gesellschaftsrechtliche Folgen für Sie und Ihr Unternehmen. Die Ltd., welche einst nach den britischen Vorgaben wirksam gegründet wurde verliert ihren Status als Kapitalgesellschaft und wird als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) oder als OHG (Offene Handelsgesellschaft) behandelt. Dies kann gegebenenfalls einer Besteuerung der stillen Reserven kommen. Besonders zu beachten ist hierbei aber, dass sich die Haftungsregeln für Sie, als Gesellschafter ändern.

Die Folgen des Brexit sind zudem beim Arbeits- und Sozialversicherungsrecht zu spüren, insbesondere durch den Wegfall der Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Zurzeit besteht grundsätzlich noch kein dringender Handlungsbedarf für Sie und Ihr Unternehmen, da noch unklar ist wohin die Vertragsverhandlungen der EU mit Großbritannien führen. Da künftige Änderungen aber auch Auswirkungen auf die Vergangenheit haben können, sollten Sie die Verhandlungen und die Entwicklungen jedoch im Auge behalten, um rechtzeitig handeln zu können.

Bitte beachten Sie jedoch jetzt schon bei aktuellen Vertragsverhandlungen, dass Sie sich über evtl. Zollklauseln Gedanken machen. Denn aus unserer Erfahrung heraus, bestehen diese Verträge meistens über mehrere Jahre und sollten deshalb jetzt schon vorausschauend abgeschlossen werden.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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Sinja Pfeifer
Dipl.-Finanzwirtin (FH)
Steuerberaterin
Fachberaterin für Internationales Steuerrecht


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