Endmontage China

Ein Thema, was viele Mittelständler immer wieder betrifft: die Endmontage im Ausland. Denn häufig birgt sie erhebliche Risiken – sowohl rechtlicher wie steuerlicher Art.

Zunächst ein Blick auf die rechtlichen Herausforderungen:

Ein großes Problem ist der ewige Streit um die ordnungsgemäße Erfüllung. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Ein deutsches Unternehmen liefert Fräsmaschinen nach China. Vor Ort ist die Fertigungshalle allerdings noch im Bau. Die Folge: Der Kunde lagert Teile der Maschine während der Monsunzeit außen unter Plastikplanen. Wenig überraschend: Teile korrodieren, der Streit lässt nicht lange auf sich warten. Das große Problem in diesen Fällen häufig: Meist vereinbaren Unternehmen, dass die Teile ab Werk (EXW Incoterms 2010) oder frei Seeschiff (FOB) geliefert werden oder der Kunde frei Bestimmungshafen im Zielland die Einzollung und den Überlandtransport im Zielland übernimmt. Wie vermeiden Mittelständler daher den späteren Vorwurf, mangelhaft geliefert zu haben?

Wir raten: Wer erst vor Ort montiert, sollte entweder die gesamte Transportstrecke und die Lagerung der Produkte unter eigener Kontrolle haben - was wegen Herausforderungen wie dem Einzollen im Ausland kaum möglich ist. Alternativ: Vor Versand oder am Ort des Gefahrenüberganges (z.B. Seehafen) sollte eine Inspektion durch unabhängige Gutachter erfolgen. So kann geklärt werden, ob die Teile vertragsgemäß angekommen sind. Wichtig: Solche Inspektionen müssen direkt bei Vertragsschluss ausgehandelt werden.

Problem zwei: die Exportfinanzierung. Oft bezahlen Kunden aus Asien per Dokumentenakkreditiv (Letter of Credit, L/C). Soll das deutsche Unternehmen vor Ort montieren, so möchten viele Kunden erst zahlen, wenn die Montage ordnungsgemäß erbracht wurde. Die Folge: Vertragsparteien vereinbaren, dass der letzte Teilbetrag erst geleistet wird, wenn der deutsche Lieferant eine Bestätigung vorlegt, in welcher der Kunde das funktionierende Produkt bestätigt.

Für deutsche Lieferanten ist dies ein unkalkulierbares Risiko. Denn nach dem Testlauf kann der Kunde über das Produkt verfügen, während die Bescheinigung weiter im freien Ermessen liegt. Die Erfahrung lehrt: Viele Kunden sind zögerlich Bestätigungen auszustellen, oft erhalten deutsche Lieferanten die Bestätigung sogar nie. Die Restvergütung muss dann mühsam eingeklagt werden, meist verbunden mit dem Risiko diese im Ausland nicht vollstrecken zu können.

Hier raten wir: Vermeiden Sie unter allen möglichen Umständen, dass eine solche Bescheinigung erbracht werden muss.

Und auch steuerlich gibt’s einiges zu beachten: Denn China wendet bei der Besteuerung von Arbeitseinkünften nicht das Doppelbesteuerungsabkommen an. Stattdessen nutzt das Land vor allem das nationale Steuerrecht. Bei der Montage in China müssen sich deutsche Mittelständler der Konsequenzen daher bewusst sein.

Im Abkommen gibt es die Besonderheit einer Dienstleistungsbetriebsstätte. Dass der deutsche Fiskus bei der Vor-Ort-Montage keine Betriebsstätte annimmt, ist ein Entgegenkommen an die Chinesen. Gründen deutsche Unternehmen in China eine Betriebsstätte, müssen sie auf den Gewinn eine chinesische „Corporate Income Tax“ zahlen. Der Gewinn wird regelmäßig mittels der „deemed profit method“ geschätzt. Hinzu kommt, dass bei einer Betriebsstätte in China auch das Gehalt der Expats der Lohnbesteuerung unterliegen. Achtung: Bei der Montage vor Ort handelt es sich außerdem um eine „Entsendung“ von Arbeitnehmern. Hier müssen Unternehmen viele sozialversicherungsrechtliche Fragen klären.

Wir raten daher: Prüfen Sie vor Beginn des Einsatzes im Ausland die zeitlichen Komponenten für die Begründung einer Betriebsstätte oder einer steuerlichen Ansässigkeit in China. So kann mancher Euro gespart werden.

Ansprechpartner
Gerd Klaiber
Dipl.-Finanzwirt (FH)
Steuerberater
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Fachberater für Internationales Steuerrecht

Sinja Pfeifer
Dipl.-Finanzwirtin (FH)
Steuerberaterin
Fachberaterin für Internationales Steuerrecht

Dr. Christian Lindemann, LL.M.
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